Wer&Wozu

Ich bin gebürtige Berlinerin mit französischem Ausweis, russischen Wurzeln und teilweise in Südfrankreich, dann in Berlin aufgewachsen und habe damit keinen wirklich vegan-affinen Background. Bei uns wurde zwar immer viel und frisch gekocht, aber es kam eben von Hase bis Wildschwein alles auf den Tisch und wurde auch nie in Frage gestellt. Seitdem ich sechzehn bin, habe ich neben der Schule und dem Jurastudium, nicht aus Verlegenheit sondern aus Leidenschaft, immer in der Gastronomie gearbeitet. Mein Leibgericht war Steak & Frites mit Sauce Béarnaise, das Steak bitte blutig.

Naja, und irgendwann kam Tag X. Am 2. Mai 2009 wurde ich dank Jamie Oliver zunächst Vegetarierin. Als ich dann noch ein bisschen „Milchproduktion“ und „Küken sexen“ gegoogelt habe, war auch ziemlich schnell klar, dass nur eine vegane Ernährung Sinn macht, wenn man nicht will, dass Tiere für die eigene Ernährung getötet werden. Wollte ich nicht, also wurde ich „vegan“.

Die Reaktionen in meinem Umfeld waren ungefähr so: „WAASS?? DU?? Du, die so gerne isst???“ oder “ Jetzt fängst du ja total an zu spinnen“ oder“ musst du gleich so radikal werden?“ oder der Klassiker „Ja, und was kannst du denn jetzt überhaupt noch essen? Gras und Steine? Na dann viel Spaß!“ Und tatsächlich konnte ich eigentlich überhaupt nichts mehr von dem essen, was ich früher gegessen habe- bis auf Gemüse, Salat und Chips.

Zunächst hatte ich ein Problem, denn ich hatte keine Ahnung von veganer Ernährung (Quinoa? Wo liegt das?) geschweige denn, dass ich irgendwelche Veganer gekannt hätte. Dank zahlreicher Blogs, Youtube, etc., habe ich jedoch ziemlich schnell Alsan, Hafermilch, Wheaty, Cupcakes, Torten, Good-Food, Fast-Food und viele vegane Lokalitäten gefunden, sodass ich selbst in der Informartionsansammlungsphase nicht einen Gramm abgenommen habe. Das war eine schöne Zeit der Freunde- und Restaurantneuentdeckungen.

So schön es auch alles ist, bin ich jedoch nicht vegan geworden, um einer bestimmten Szene anzugehören, sondern damit Tiere nicht in meinem Auftrag elendig gehalten und getötet werden und weil ich eine Veränderung herbeiführen wollte.

*Berlin- Ick vegane Dir*

Hier setzt das Projekt *Berlin- Ick vegane Dir * an. Ich glaube die wenigsten Menschen sind sich dessen bewusst, wie schlimm und elendig die Tiere tatsächlich gehalten und getötet werden. Wohl ahnen sie, dass ihre Vorstellung von Wiesenromantik nicht ganz stimmen mag, da sie aber keine Alternativen zu ihrer Ernährung kennen, sind sie unwillig ihre gewohnte Ernährungsweise aufzugeben. Für viele ist das Wort vegan nicht mit ethisch motiviertem Essen verknüpft, sondern mit Assoziationen, wie:„ Wie hieß der Eso-Spinner im Petticoat nochmal, der mit fünf zickigen Frauen in einem Harem lebt? Achja, Rainer Langhans. Der ist doch ein „Veganer“?! “

Solche und noch schlimmere Assoziationen fördern nicht unbedingt die Popularität des Veganismus.

Neulich habe ich einen Bekannten nach längerer Zeit wieder getroffen, den ich das letzte Mal vor meiner Vegamorphose sah. Nach ein paar bissigen Eingangsbemerkungen über meine neue Ernährungsweise, meinte er irgendwann im Verlauf des Abends ganz überrascht: „ Mensch Fé, das ist ja trotzdem noch total lustig mit dir obwohl du jetzt eine „Veganerin“ bist!“ Wie man sieht, gibt es eine Menge Aufklärungs- und Entmystifizierungsbedarf, was die vegane Ernährung und die Veganer betrifft.

Um das Tierleiden effektiv zu bekämpfen, müssen wir uns an die wenden, die es verursachen, eine Informationsschnittstelle schaffen. „Die“ sitzen aber eben nicht in veganen Restaurants, sondern in den Restaurants in denen sie schon immer hingehen und in denen es- bisher- keine veganen Gerichte gibt.

Da will ich hin!

Vegane Gerichte sollen auch auf den Speisekarten, der nicht einschlägig veganen Restaurants, Einzug finden und als solche gekennzeichnet werden. Der Begriff muss entmufft werden und die Leute sollen sehen, dass Veganer nicht irgendwelche Ökospinner sind, die kalkblass in Kartoffelsäcken rumlaufen, sondern ganz normale Leute, die erkannt haben, dass es an der Zeit ist, eine soziale Verantwortung für die Tiere, die Menschen und die Umwelt zu übernehmen.

Konkret heißt es, dass ich in Restaurants gehe, die an sich mit vegan nichts zu tun haben, und sie bitte, ihre Karte um vegane Speisen zu erweitern und diese als solche zu kennzeichnen.

Ich erkläre Ihnen, dass es bei den Konsumenten eine immer größer werdende Nachfrage gibt, sich tierfreundlich, gesund und umweltfreundlich zu ernähren. Durch die Aufnahme veganer Gerichte könnten auch die Gäste mit Intoleranzen (Laktose, Ei) problemlos versorgt werden.

Die Gastronomen können vegane Gerichte ohne große finanzielle Dispositionen ( Karte neu drucken, etc..) testweise einführen, indem sie beispielsweise ein veganes Mittagsgericht kochen, das auf einer Schiefertafel angekündigt wird. Und wenn ein netter pragmatischer Augenaufschlag der Sache dient, dann wird er zur Unterstützung der Botschaft eben eingesetzt.

Je häufiger vegan deklarierte Speisen in den Speisekarten auftauchen , desto schneller wird sich diese Ernährungsweise als normal in das Bewusstsein der Menschen verankern. Wenn wir viel Tierleiden verringern wollen, müssen wir viele Menschen erreichen. Es nutzt nichts, wenn wir unter uns bleiben und uns den ganzen Tag gegenseitig Schlachthofvideos auf die Pinnwände bei Facebook posten. Lasst uns rausgehen und die Speisekarten aufmischen.

Berlin (Deutschland? Welt?), wir veganen dir!

Klimper, Klimper…..

Wir haben zu tun,

Attaque!

Fé ♥

18 Antworten to “Wer&Wozu”

  1. shekinah2002 3. April 2012 um 08:03 #

    Super Idee, ich bin dabei 🙂

  2. walfaengerhasser 8. April 2012 um 09:26 #

    Wenn ich auf Menschen wie dich stoße, merke ich, dass ich mit meiner Einstellung doch nicht allein bin :). Weiter so!

  3. Sabrina 11. April 2012 um 11:54 #

    Das find ich super und hoffe das du mit unser aller Unterstützung Berlin auch über die Grenzen von Kreuzberg, Friedrichshain etc. hinweg vegan bekommst!!!

  4. Frau Bats 11. April 2012 um 15:01 #

    Ich verlink dich mal bei mir,wenns recht ist… 😉

  5. bakingthelaw 11. April 2012 um 19:30 #

    Jau, bis in die Tiefen des Speck-liebenden Schwarzwaldes 🙂

    Vegamorphose – du bist klasse!!! hehe

  6. Jenny 16. April 2012 um 07:45 #

    Eine Veganerin AUS der Mitte der Gesellschaft FÜR die Mitte der Gesellschaft. Genau richtig, um Veganismus zu „normalisieren“. Ohne überflüssiges Tamtam um Religion, Politik und Esoterik – einfach nur anständig leben und konsumieren ohne Verzicht. Die Message kommt sicherlich an. Vielen Dank für deinen konstruktiven Einsatz!

  7. Stefan 17. Mai 2012 um 11:40 #

    Hallo,
    wir sind eine kleine Cupcake-Bäckerei aus dem Nikolaiviertel in Berlin und haben uns dazu entschieden, täglich mind. einen veganen Cupcake anzubieten. Natürlich hatten wir auch die von Dir beschriebenen Reaktionen, doch mittlerweile haben wir begeisterte Stammkunden. Durchhalten lohnt sich also 🙂

    Schau doch einfach mal vorbei, wir würden uns sehr freuen.

    Liebe Grüße aus der Backstube
    Stefan & das tigertörtchen Team

  8. Stephan 18. Mai 2012 um 09:56 #

    Ich möchte auch meinen bescheidenen Beitrag dazu leisten etwas Aufklärungsarbeit zu betreiben. Ich habe mich mal intensiv mit dem Thema Ernährung und vor allem Fleischkonsum, der scheinbar völlig aus den Bahnen geraten ist, auseinander gesetzt und die mir wichtigsten Daten in einer Grafik zusammengefasst. Wer sich dafür interessiert kann sie sich ja mal anschauen. ich habe sie auf der eigens dafür angelegten Seite http://www.gutenahrung.de abgelegt.
    Viele Grüße
    Stephan

  9. lucy 22. Juli 2012 um 09:05 #

    Ein ehrlicher Veganer hat keine Haustiere!

    • Mark 12. März 2013 um 13:33 #

      Lucy, ich glaube, genau solche apodiktischen 100%-sind-noch-zu-wenig-Bekehrer wie dich braucht Fés Initiative hier NICHT.

      Das Thema Veganismus und Haustiere lässt sich sicher kontrovers diskutieren, weil Widersprüche bestehen. Deine Aussage stimmt aber empirisch schon mal gar nicht. Für mich bspw. war es genau das tägliche Zusammenleben mit einem Tier, das meine Einstellung zu anderen Tieren nach und nach vollkommen verkehrt und mich zu veganer Ernährung geführt hat. Ein solcher Prozess lässt sich nicht in Kategorien wie ehrlich oder unehrlich fassen. Deine so achtlos hingeworfene Aussage ist auch kein Diskussionsanstoß, sondern eine Ausstiegshilfe aus einer fruchtbaren Auseinandersetzung, bevor sie überhaupt beginnen kann. Du wirst dich entscheiden müssen, ob du dich in deinem veganen Elfenbeinturm verschanzt – oder losziehst und nichtvegane Menschen dort abholst, wo sie gerade stehen. Darum geht es hier.

  10. Frau S. 1. Oktober 2012 um 10:59 #

    Hallo Fé.

    habe Deinen Blog gerade erst entdeckt. Keine Ahnung wie der mir so lange entgehen konnte :o)

    Bin ein bißchen neidisch, dass ihr in Berlin eine mittlerweile relativ große Auswahl an veganen „Ausgehmöglichkeiten“ habt. Ich teile zu 100% Deine Einstellung in Sachen Veganisierung. Wirklich erreichen kann man etwas nur, wenn man positive Beispiele gibt und die Nachfrage steigert.

    Es gibt in Köln das Restaurant ecco, das eine vegane Zusatzkarte anbietet. Dort gibt es auch Fleischgerichte, aber eben halt auch eine Alternative. Und dieses vegane Angebot wird dort auch von den Nichtveganern genutzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass man nur so dauerhaft eine Bewusstseinsänderung erreicht.

    Viele Grüße von Frau S.

  11. Zoe 10. Dezember 2012 um 12:02 #

    Juhu! Heute ist mein Glückstag! Erst finde ich vegan-sein und jetzt (irgendwie logisch) dadurch auch noch dich! Ich esse (ja bis jetzt nur „esse“) seit Mai auch größtenteils vegan und poste inzwischen auch nur noch vegane Rezepte auf meinem Blog. Ich bin völlig begeistert, so coole vegane Mädels wie Euch im Netz zu finden!
    Ich finde Essen gehen gar nicht so ein Problem, viele Restaurants bieten ja auch „aus Versehen“ mal ein veganes Gericht an… Allerdings ist es dann doch wie Weihnachten, wenn man die fleischesseneden Freunde dann mal in ein veganes Restaurant schleppt und da auf einmal alles auf der Karte bestellen kann!
    Bei Dir komm ich auf jeden Fall ab sofort öfter vorbei, so viel steht fest!
    Viele liebe Grüße,
    Zoe

  12. Susi 11. Januar 2013 um 22:45 #

    Total gut, dein Einstellung 🙂 Auch, wenn man am liebsten mit dem eigenen Umstieg zum Veganismus von Heute auf Morgen die ganze Welt umkrempeln würde – nach dem Motto: Augen auf, ihr Idioten! -, vergisst man schnell, dass 1. man auch mal ein Idiot war und 2. große Veränderungen nur Schritt für Schritt erfolgen können!

  13. Sandra 13. März 2013 um 21:03 #

    Hallo Fé!

    Toll geschrieben – mich hat das Thema gerade erst seit zwei Wochen gepackt. Seit sieben Tagen ernähre ich mich nun vegan. Um das Ganze in meiner dörflichen Gegend bekannter zu machen, führe ich ebenfalls einen Blog (www.vegan-projekt.de) und berichte in unserer lokalen Zeitung darüber.

    LG,
    Sandra

  14. Mika 17. März 2013 um 09:43 #

    Hi @ all,

    ich weiß auch nicht, komischer Weise hat mich der Pferdeskandal in letzter Zeit zum Umdenken gebracht.
    Seit meinem sechsten Lebensjahr habe ich nie Putenfleisch anrühren können (wir lebten sehr nah an einer stinkenden Massenputenhaltung) Ich hatte instinktiv eine Ablehnung gegen diesen Geschmack und Geruch entwickelt und irgendwie konsequent Pute meiden können. Es klingt sicher ein bisschen verrückt, da andere Tiere auch so leiden und schon sehr lange so gelitten haben wie diese Puten.
    Irgendwie habe ich es aber 27 Jahre ausgehalten weiterhin Fleisch zu essen ohne darüber all zu doll nachgedacht zu haben.
    Plötzlich, ich kann nicht sagen ob der Pferdeskandal der einzige Auslöser war, habe ich meine Ansicht, Ernährung, Aufmerksamkeit,… von einem auf den anderen Tag radikal umgestellt und meide Fleisch, Eier, Milchprodukte, Honig und alles was mit Tierquälerei in irgendeinem Zusammenhang steht völlig.

    Ich muss euch echt sagen, es ist ein extrem befreiendes Gefühl! 🙂 Jeden Morgen schießt mir in den Kopf, du lebst als Veganerin, du hast es geschafft dein Leben so einzurichten, dass Tiere nicht mehr für dich leiden müssen, Mensch ist das toll!!! Und diese Gedanken kommen immer begleitet von einem unbeschreiblichen Glücksgefühl.

    Kann sein, dass sich das schreg anhört, es ist aber wirklich bisher jeden Tag so eingetreten! 😉

    Ich bin mir sicher, dass ich, obwohl ich wirklich gern Käse, Hänchen und Co gegessen habe, mein Leben lang eine verdammt glückliche Veganerin sein werde und niemals etwas vermissen muss! 🙂

    Ich bin seit Jahren eine leidenschaftliche Hobbyköchin und biete im Rahmen meiner Tätigkeit als Sozialarbeiterin auch eine regelmäßige Kochgruppe im BEW für chronisch alkoholabhängige und von pathologischem Glücksspiel betroffene Menschen an. In den letzten Wochen habe ich regelmäßig fleischlose, zuletzt auch zwei mal vegane Gerichte mit den Klienten gekocht und bin zwar auf Verwunderung gestoßen aber eher im Sinne von: “ Wie? Das ist vegan und schmeckt trotzdem so gut?“
    Ich werde es in Zukunft ausbauen und schauen wie es weiterhin ankommt, bisher freut mich die Resonanz schon sehr! 🙂

    Darüber hinaus muss ich dir, liebe Felicia auch sagen, dass ich deine Einstellung, genau wie die anderen hier, sehr gut finde und mich auch gern daran beteiligen möchte den Menschen in unserer Umgebung die Angst vor den Veganern und dem veganen Leben zu nehmen.
    Alle sollen einmal so ein langanhaltendes Glücksgefühl erleben dürfen, wie ich es in der vergangenen Woche täglich spürte, das ist echt wie ein Wunder! 🙂

    In Zukunft habe ich vor, gemeinsam mit meinem Freund, ein kleines veganes Restaurant in Berlin zu eröffnen um meiner Kochleidenschafft damit dann täglich nachgehen zu können. Mein Freund arbeitet schon in der Gastronomie und hat diesbezüglich mehr gastronomisches Know How als ich. 😉
    Wenn ihr in diesem Zusammenhang Tipps für uns habt bin ich sehr dankbar und freu mich! 🙂

    Ansonsten vielen Dank für deine tollen Anregungen und ich mach mich weiter auf Erkundungstur durch Berlin, kenn mich ja noch nicht so gut aus auf diesem Gebiet.
    Die Angebote, die ich bisher kennenlernen durfte waren aber alle sehr gut und ließen kaum noch Wünsche offen. Bei euch werde ich sicher auch mal vorbeischauen.

    Es macht wirklich spaß Veganer zu sein! 😉

    ganz liebe Grüße
    Mika

  15. kleinstadtprinzessin 1. Februar 2014 um 18:03 #

    Das ist ein toller Blog! 🙂
    Ich möchte mich in Zukunft vegetarisch ernähren und dann eventuell auf Vegan umsteigen. 🙂
    Grüsse ♥

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  1. Green-SPIRATION: Mund ι Art ι Berlin | Greensoul - 15. Juli 2012

    […] einem “exklusiven Dinnerabend” in Berlin teilnehmen, den zwei liebe Bekannte von mir, Félicia Meyer-Jendro und Nicole Just, organisiert haben. Das Besondere an diesen Essen ist, dass es sich um rein […]

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